350 Mio Forstpaket für die Rettung des österreichischen Waldes


Anfang Juli wurde vom Nationalrat das Investitionspaket in der Höhe von 350 Mio. Euro für die Rettung des Waldes in Österreich beschlossen. Insgesamt zehn Maßnahmen sollen den heimischen Forstwirten wieder eine Perspektive geben und den klimafitten Wald von morgen gewährleisten.

Wer ein wenig aufmerksam durch das Land fährt dem fällt eines sofort auf. Wo früher Wald war ist jetzt keiner mehr. Schuld daran waren die extrem heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre. Die Bäume wurden geschwächt. Der Borkenkäfer hatte dadurch ein leichtes Spiel und entwaldete teilweise ganze Landstriche. Das dramatische dabei: Der Holzpreis ist schon seit Jahren so tief, dass sich eine Aufforstung oft nicht mehr rechnet. Eine Landschaft ohne Wald wäre die Folge. „Das Investitionspaket ist ein Lichtblick und motiviert die Waldbäuerinnen und Waldbauern zur Wiederaufforstung und Bewirtschaftung ihrer Wälder. Die Bundesregierung zeigt einmal mehr, dass sie hinter der österreichischen Forstwirtschaft steht und sie in dieser schwierigen Zeit unterstützt“, erklärt Bauernbund Landesobmann LR Max Hiegelsberger.

Aufforstung – Zahl der Förderanträge zeigt regen Nutzen
Verbunden mit dem Investitionspaket ist auch die Förderung bei der Wiederaufforstung. Die aktuelle Zahl von rund 2000 abgewickelten Anträgen in Oberösterreich spiegelt das große Interesse der Forstwirte an der Aufforstung mit Mischwäldern wider. „Die standortgerechte Auswahl der diversen Baumarten für den klimafitten Wald von morgen ist gerade in Zeiten des Klimawandels unumgänglich. Jetzt müssen die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden, damit nachfolgende Generationen gesunde Wälder vorfinden können“, bekräftigt Hiegelsberger.

Forstwirtschaft garantiert Arbeitsplätze
An die 172.000 Betriebe und Unternehmen sichern in Österreich das Einkommen von etwa 300.000 Menschen. Im Jahr 2019 waren von den 18,9 Mio. Erntefestmetern in etwa 62 Prozent Schadholz. Aufgrund dieser großen Schadholzmengen und den schlechten Absatzbedingungen durch das Corona-Virus, sind die Erlöse aus der Forstwirtschaft drastisch gesunken, sodass die Forstwirte nicht mehr ihr finanzielles Auslangen fanden. „Regionale Wertschöpfung ist das Um und Auf und sichert viele Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Durch das „Forst-Investitionspaket“ können auch die Arbeitsplätze für künftige Generationen gesichert werden“, so Hiegelsberger.

Holzbauoffensive ist Klimaschutz
Eine der zehn Maßnahmen des Investitions- bzw. Forstpaketes ist die Holzbauoffensive. Sie soll einerseits die Verwendung des Baustoffes Holz vorantreiben, andererseits dient sie aber auch dann die Arbeitsplätze in den Regionen zu erhalten und auszuweiten. Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, speichert Kohlendioxid (CO2) und ist in der Erzeugung weniger energieintensiv als andere Baustoffe, wie beispielsweise Stahl oder Beton.

Forschung eröffnet neue Absatzmärkte
Ebenfalls im Maßnahmenkatalog mit 30 Mio. Euro vorgesehen ist die Initiierung eines Forschungsschwerpunktes sowie die Errichtung einer Forschungsanlage zur Herstellung von Holzgas und Biotreibstoffen. Aus einem Kilogramm Holz kann ein Viertelliter hochwertiger Kraftstoff oder ein halber Kubikmeter Gas erzeugt werden. Da es sich bei FT-Diesel (Holzdiesel) um einen „Drop-in“-Kraftstoff handelt, entfällt jegliche Umrüstung oder Neuanschaffung. Eine Potentialabschätzung des Österreichischen Biomasseverbandes geht von einem realisierbaren Bioenergiepotential von 340 Petajoule aus, wobei rund die Hälfte des Ausbaupotentiales aus der Forstwirtschaft stammt. Zum Vergleich: Der Bruttoinlandsverbrauch an Energie in Österreich betrug 2018 rund 1422 Petajoule. Betrachtet man die Jahreserzeugung aller österreichischen Donaukraftwerke so erzeugen diese durchschnittlich pro Kraftwerk 3,7 Petajoule. Der CO2-Fußabdruck ist bei der Erzeugung von Holzgas- und diesel um 90 Prozent geringer als bei fossilem Erdgas und Diesel.

Kostspielige Importe von Erdgas und Erdöl könnten dadurch verringert werden. „Geld in die Forschung zu investieren ist das Mittel Nummer 1. Denn der Import fossiler Brennstoffe schädigt nicht nur die Umwelt, sondern führt auch zu einem Export hoher Geldsummen in erdölproduzierende Länder. Da ist es doch besser, wenn die Wertschöpfung im eigenen Land verbleibt, zumal hier ein enormes Potential vorhanden ist“, gibt Hiegelsberger zu bedenken. Gerade die hohen Schadholzmengen wären so besser zu verarbeiten.

Österreich an Spitze beim Einsatz erneuerbarer Energien
Gemeinsam mit Schweden, Finnland, Lettland und Dänemark liegt Österreich was den Einsatz erneuerbarer Energieträger betrifft im Spitzenfeld. In diesen Ländern liegt der Anteil der erneuerbaren Energieträger deutlich über 30 Prozent und damit fast doppelt so hoch als im EU-Durchschnitt. „Den Ausbau der Erneuerbaren gilt es weiter voranzutreiben, nur so können die Klimaziele der EU und Österreichs umgesetzt werden“, betont Hiegelsberger. Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) präsentiert alle fünf Jahre einen Bericht über den weltweiten Zustand der Wälder. Dabei wurden von 1990 bis 2020 236 Länder untersucht, wobei die Vorbildrolle Europas bestätigt werden konnte. So wurde in der EU die Waldfläche innerhalb von 30 Jahren von 145 auf 159 Mio. ha ausgeweitet. Das entspricht der Fläche Österreichs, der Slowakei und Sloweniens zusammen. Die nachhaltige Bewirtschaftung schafft dabei nicht nur einen unschätzbaren Naherholungsraum, sondern fördert auch die regionale Wirtschaft und trägt zum Klimaschutz bei.

Bildquelle: Land OÖ / Wakolbinger
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